Translation and Photos
by Fritz Svacina
Vorwort: Dieser Artikel war in einigen Bluesmagazinen erschienen und wir haben einiges an Material zusammengetragen, damit ein neueres Bild vom „Master of the Lap Steel Guitar“ - Freddie Roulette - entsteht.

FREDDIE ROULETTE

Nach langen Jahren des Schweigens wurde in den USA eine neue CD herausgegeben, unter dem Label Hl HORSE 4044 „Back in Chicago“, welches Freddie Roulette wieder an die Front der Bluesinterpreten/ Instrumentalisten katapultierte.
Das war 1996. Die Lap Steel Guitar ist ein Instrument, das beim Blues selten verwendet wird und ihre Spezialisten sind rar: Hop Wilson, L.C. Robinson, Sonny Rhodes und Freddie Roulette, dessen Phrasierung sehr stark an Earl Hooker erinnert. Gelegentlich widmen sich auch Joe Louis Walker und Kenny Neal der Lap Steel Guitar.
Häufiger finden wir die Lap Steel in der Country-Music, aber auch im Gospel, wie eine von Arhoolie Records herausgegebene CD-Serie beweist:
Sonny Treadway, (Arhoolie 462,Jesus will fix it!), Aubrey Ghent, (Arhoolie 463, Can´t nobody do me like jesus), Campbell Brothers, (Arhoolie 461, Sacred steel guitar, Vol.2) und die Arhoolie CD 450, Sacred Steel.
Tom Mazzolini hatte im Oktober 1997 Freddie Roulette in seiner Sendung „Blues By The Bay" auf der KPFA-Welle in San Francisco als Gast empfangen. Dies ist die Aufzeichnung des Interviews.

TOM MAZZOLINI: Wann war Dein letzter Besuch in Chicago vor der Aufnahme Deiner neuen CD?

FREDDIE ROULETTE: Im Sommer 1996.

TM: „Back in Chicago" unterstreicht irgendwie Deine Rückkehr. War es Absicht nach Chicago zurückzukommen und hier mit einer Gruppe Aufnahmen zu machen, um wieder Deine Zeichen zu setzen, ist es so?










FR: Ja. Das ist eine Art Anthologie. Wir haben Sessions in den Clubs gemacht, wo ich Aufnahmen mit einem kleinen Recorder mitschnitt und mit neuen Ideen experimentierte - was ich schon seit langem machen wollte. Habe einige für den Blues ungewöhnliche Rhythmen gespielt und diejenigen, welche mit mir zusammen waren, sind zuerst skeptisch gewesen, dann aber haben sie gefunden, dass es funktioniert. Wir haben mit diesen neuen Ideen gearbeitet, meine persönliche Annäherung an den Blues. Der Rest ist von alleine gekommen.

TM: Willie Kent und seine Gruppe „The Gents“ haben an den Aufnahmen teilgenommen. Habt Ihr sehr viel geprobt?

FR: Ja, alle Tage die Stücke, die wir zusammen gemacht haben.

TM: Ich glaube, dass zahlreiche Amateure mehr über Dein Instrument, welches man Lap Steel Guitar oder Hawaii Guitar nennt, wissen wollen.

FR: Ja, das ist eine „National“ Lap Steel Guitar, aus den 40er-Jahren. Es ist ein Modell aus dieser Zeit. TM: Ist dies Dein erstes Instrument gewesen?

FR: Nein, ich habe mit einer simplen Gitarre begonnen, sechs Kupfer-Saiten, wechselte dann auf eine sechssaitige Lap Steel Guitar und erst danach habe ich eine mit 8 Saiten genommen.

TM: Was hat Dich an diesem Instrument und dessen Klang so fasziniert?

FR: Die Tatsache, dass es praktisch niemand spielt.

TM: Das ist ein vernünftiger Grund! (Lachen: ...... das ist ein ganz besonderer Klang, wirklich einmalig!)

FR: Ja, weißt Du, eine große Amplitude in den Tönen passt gut zur Steel Guitar. Ich versuchte, einige Klänge neu zu öffnen, welche man nicht so oft hört ............, habe sie verwendet, um Balladen zu interpretieren und auch ein bisschen Jazz gespielt. Man nennt mich Blues-Gitarrist, aber ich mache auch viel andere Musik.

TM: Du stammst aus der Gegend von Chicago, Du bist in Evanston geboren ?

FR: Ja, ich komme von der North Side, nördlich der Howard Street, die Straße, welche Evanston von Chicago trennt.

TM: Du hast die Clubs von Chicago frequentiert. Hast Du dort begonnen Blues zu hören und mit anderen Musikern Sessions zu machen. Sprechen wir von Deinem Werdegang.

FR: Ja, es ist auch auf dem Plattencover eine Momentaufnahme, mit dem Foto von der Lake Street. Das ist ganz in der Nähe der Stelle, wo ich das erste Mal mit Earl Hooker gespielt habe. Diese Rückkehr zu den Wurzeln finde ich lustig. Bei meinem ersten Clubbesuch, spielte Earl Hooker! Diesen habe ich dort das erste Mal getroffen und mit ihm danach gespielt.

TM: Hat er Slide gespielt ............?

FR: Ja, er war genial, wirklich genial. Er war seiner Zeit voraus und einer der Ersten, der Delta Blues mit einem Bottleneck aus Stahl spielte. Viele Slide-Spieler verwenden es heute, aber „ER“ hat es vor ihnen getan.

TM: Ihr habt zusammen in den Clubs gespielt, Du mit dem Lap Steel und er mit dem Slide?

FR: Ja, er war ein Killer. Earl hat mir alle Grundbegriffe beigebracht und ich habe ............ (er spielt, das Instrument imitierend) sie durchgeführt. Sein Swing-Stil klang wie in den 40er-Jahren - Earl war unglaublich! Ich habe mir seine Aufnahmen angehört, er spielte zweimal so schnell wie jeder andere. Aber ich glaube, dass er sehr krank war und eine Menge Probleme hatte, es ging ihm nicht gut. Earl ist zum Blues zurückgekehrt, aber er war ein exzellenter Swing-Gitarrist. Du weißt wie es bei den großen Formationen der 40er-Jahre war. Seine Begabung war hervorragend, ich habe beim Abhören der Aufnahmen gestaunt.

TM: Er hatte Tuberkulose.

FR: Ja, er war sehr krank.

TM: Ich glaube, Du hast eine Deiner ersten Aufnahmen mit einer Gruppe gemacht, die sich „Chicago Blue Stars“ nannten (Coming Home, Blue Thumb LP-BTS 9), das war 1969.

FR: Ja, mit Charlie Musselwhite .............

TM: Louis Myers ............... (zusammen) Jack Myers und Freddie Below. Sie haben alle mit Little Walter gespielt.

FR: So ist es.

TM: Wenn man zuhört, wird einem bewusst, dass Du die Gitarre für Dich zum Singen bringst. Ist das etwas, was Du immer absichtlich gemacht hast, diese Imitation eines Gesangs durch die Gitarre?

FR: Genau, das waren meine ersten Versuche. Auf meinem letzten Album findet man eine perfektionierte Verwirklichung dieser akustischen Illusionen durch jahrelange Arbeit. Aber ich habe nichts erfunden. Alvino Ray macht das auch, nur auf eine sehr abgehobene Art. Ich mache es ohne „dings-bums“. Es ist direkt und nenne es akustische Illusionen, weil ich dem Publikum etwas zu suggerieren versuche, was es nicht hört. Wenn ich z.B. „hello" sehr schnell wiederhole, weiß man nicht, ob ich es bin oder meine Gitarre. Oft glaubt das Publikum, dass ich Bauchredner bin (Gelächter), während meine Gitarre nur die Stimme verlängert, aber es kommt ein Moment, wo dies nicht mehr möglich ist zu unterscheiden. Meine Gitarre singt wirklich .......! Ich habe Jahre gebraucht, um so weit zu kommen. Wenn ich mir die ersten Aufzeichnungen anhöre, erkenne ich die verbalen Artikulationen, die Wörter heben sich deutlich ab, alle können sie verstehen.


TM: Welche Lap Steel Spieler hörst Du Dir an?

FR: Ich erinnere mich an ein Treffen in Sacramento. Mein Foto war auf der Titelseite einer Fachzeitschrift und es war kein einziger Artikel über mich im Inneren. Ich komme und sehe mein Foto .........!?

TM: Du sprichst von einer Veröffentlichung im Magazin „Steel Guitar“, eine Sondernummer über dieses Treffen. Es waren viele Country- und Western- Gitarristen dabei.

FR: Ja, viele interessieren sich für das, was ich mache. Dieses Treffen hat mir sehr viel gegeben, es hat mir eine Menge von Ideen gebracht, z.B: warum mache ich es nicht wie Ray Charles, einen blues- und western gefärbten Blues und dabei das Alte aufwärmen. In meinem Kopf sind eine Menge neuer Ideen, außerdem habe ich noch einen Vertrag für zwei Alben und die Zeit dazu, neue Kreationen zu überlegen. Ich werde die Massen mit meinem Blues erobern - wie Ray Charles - er versteht es. In der Vergangenheit machte ich das und zähle darauf, wieder zu so zu beginnen. Zuerst muss ich finden, was ich suche. Ich warte auf den richtigen Augenblick und werde was auf die Beine bringen.

TM: In Deinen Anfängen hast Du mit Harvey Mandel gearbeitet. Bekanntlich ist auf Deinem Album „Sweet Funky Steel" erschienen, auf Janus JLS 3053.

FR: Ja, und ich habe mit ihm zwei Titel auf einem seiner letzten Alben aufgenommen. Es werden zwei herauskommen, ich weiß nicht, welches davon er zuletzt herausgab und ob es dasjenige ist, auf dem man mich ein bisschen hört – es ist ein wenig im Rock-Stil. TM: Ich stelle mir vor, dass man Dich oft fragt, wie man dieses Instrument spielt? Stimmst Du Deine Steel Guitar im offenen Akkord? Welche Stimmung verwendest Du?

FR: Ich stimme einfach auf „C".

TM: Verwendest Du eine „tone bar" aus Stahl?

FR: Manches Mal, besonders im Studio. Im Konzert verwende ich eher einen Hartgummiriegel, das schwächt die Schärfe des Tones ab und macht den Ton weicher, ich mag das Quietschen auf den Saiten nicht. Ich lasse meine Riegel eigens anfertigen, es sind Prototypen.

TM: Verwendest Du auch spezielle Verstärker?

FR: Nein, überhaupt nicht. Momentan habe ich ein Rack Peavey, ausgestattet mit einem Versorgersystem Audio Centron, mit Electro Voice Lautsprechern, um einen präzisen Klang zu erzielen.

TM: Wenn mein Gedächtnis gut ist, singst Du praktisch überhaupt nicht auf Deinen alten Aufzeichnungen. Hingegen auf diesem neuen Album „Back in Chicago" hört man Dich wieder. Wie fühlst Du Dich bei der Aufzeichnung eines ganzen Song - Albums?

FR: Das geht gut. Ich singe nach der „Stimme" meiner Gitarre und habe ausgearbeitet die Wechselwirkung zwischen der verbalen Artikulation und den akustischen Illusionen, da meine Steel Guitar auf die Worte antwortet und ich ein scherzhaftes Vokalregister auswähle, was mir sehr gut entspricht. Ich betrachte mich nicht als einen Sänger im wahren Sinne des Wortes, versuche aber, meine Note zu unterstreichen.

TM: Dein neues Album hat enthusiastische Kritiken erhalten. Die Nummer von Billboard Magazine ist voll des Lobes. Man sagt sagenhafte Dinge über Dich, wie z.B. „Roulette ist ein außerordentlich begabter Blues-Gitarrist, welcher seinem Lap Steel eine Überfülle von traumhaften außerirdischen Tönen entlockt". So geht es seitenweise. Diese Nummer von Billboard hat Dich wirklich gut behandelt. Hast Du Dir gedacht, als Du dieses Album machtest, dass es so gut gehen würde?

FR: Nein, das war für mich, als ob ich in der Lotterie gewonnen hätte.

TM: Du wohnst jetzt in Berkeley?

FR: Ja, ich bin von Evanston nach Berkeley emigriert, jetzt bin ich ein Bursche aus
Berkeley.

TM: Bist Du zum ersten Mal mit den „Chicago Blue Stars“ nach Kalifornien gekommen?

FR: Ja, mit Charlie Musselwhite. Ich habe mehrere Male das Land durchquert, um zu
ihm zu kommen und dann, als ich nach Kalifornien übersiedelt bin, haben wir
mehrmals zusammen die Region von Nord nach Süd durchfahren. Wir sind jedoch
oft an die Ostküste zurückgekehrt. Es gibt dort schöne Erinnerungen,
die besten in meinem Musikerleben. Ich kann fast sagen, dass meine Karriere sich
in diesen Reisen mit Charlie zusammenfasst. Ich bin als Fahrender zur Welt
gekommen und bin immer noch unterwegs, mit meinem Rucksack und meiner
Gitarre in der Hand. Sonst habe ich nichts kennen gelernt. Ich "klebte immer auf
dem Asphalt und das liebe ich noch immer" (Gelächter).

TM: Übst Du viel bei Dir zu Hause?

FR: Ja, mindestens eine Stunde jeden Abend nehme ich meine Gitarre und probe einige Akkorde. Ich habe eine Idee für das Konzert am Abend und arbeite. Auf dem Nachhauseweg, nach einem Konzert, gehe ich manchmal noch einige Dinge durch.

TM: Um zu diesem Treffen in Sacramento zurückzukehren, stelle ich mir vor, dass dies eine vielseitige und aufregende Versammlung war. Ich habe nicht gewusst, dass es Treffen für „Steel Guitar-Spieler“ gibt.

FR: Ja, doch.

TM: Dann muss es dort viele Studios geben?

FR: Man hat mich sogar in ein Studio in Missouri eingeladen (amüsiert). Das könnte mich interessieren.

TM: Es muss dort eine Menge von Zubehör, für Steel Guitars und Kontaktmöglichkeiten geben. Es muss eine Mischung von verschiedenen Arten vorhanden sein.

FR: Oh ja, ich habe welche gesehen, die wirklich Lap spielen konnten. Außerdem habe ich unglaubliche Instrumente entdeckt, Instrumente zu 5 oder 6.000 Dollar, verschiedene Ausführungen an Farben und Formen, ich kann Dir gar nicht sagen, Modelle, welche bis ins kleinste Detail an den Kunden angepasst sind!

TM: Es wird auch etliche „Pedal Steel Guitars“ geben?

FR: Ja.

TM: Gibt es auch Musiker, die Dein Instrument spielen?

FR: Ziemlich wenige, im Gegensatz zur Steel Guitar mit sechs Saiten.

TM: Hörst Du Dir Hawaii-Musik an?

FR: Ja.

TM: Das wird es sein, was man an diesen Orten hört, Hawaii-Musik, Lap Steel, Dobros und andere Arten.

FR: .... und sogar in der Country & Western-Musik findet man Hawaii-Klänge. Das mischt sich alles ganz leicht. Alle diese Instrumente, wo man einen Gegenstand über die Saiten gleiten lässt, sind sich am Ende ziemlich nahe, die Slide Guitar, die Steel Guitar, die Lap Steel, die Hawaii Gitarre, die Pedal Steel, alle finden sich dort zusammen.

TM: Wir haben zuerst von Earl Hooker gesprochen. Man darf aber nicht Robert Nighthawk vergessen, der eine Menge Musiker beeinflusst hat, wie auch Elmore James.

FR: Ja, es war am Ursprung des „Delta Slide Blues“, ja, gewiss.

TM: Bei diesem Treffen, bist Du auch Santo & Johnny begegnet?

FR: Nein, aber weißt Du, es war dort alles überdimensional groß. Es war in einem großen Shopping Center, sie hatten einen riesigen Raum geschaffen, ganz aus Holz, um die verschiedenen Bühnen abzuschirmen. Viele kleine Shops aller Arten, Bücher, Platten, Kassetten, CD’s, Gitarren .... und jeder hat eine halbe Stunde gespielt. Ich habe 15-20 Minuten gespielt, ein oder zwei Stücke für Steel Guitar. Aufgrund der allgemeinen Nachfrage habe ich fortgesetzt mit einigen langsamen Country Stücken, ein bisschen Blues, es ging gut.

TM: Kannst Du Dich an den Erfolg von Santo & Johnny erinnern, „Sleep Walk“. Dieser Song Lief rund um die Uhr in den 50er-Jahren im Radio. (Dieses Instrumentalstück wurde die Nr. 1 in den Pop Charts im Jahr 1959 und auch Nr. 4 in den R&B Charts. Santo Farina hielt die Steel Guitar und sein Bruder Johnny die Gitarre. - NDE)

FR: Ja, diesen hörte man die ganze Zeit im Radio. Dieser Hit .......... man hat ihn immer und immer wieder gespielt und die beiden haben soviel verdient haben, dass es für ein zweites Leben reichen würde!

TM: Du hast Dich entschlossen, diesen Titel auf Dein Album zu nehmen.

FR: Das ist ein Standard für die Steel Guitar. Ich habe daraus eine Blues-Version gemacht, meine persönliche Version. Ich habe eine gute Klangqualität gesucht und einen „bluesigen" Touch hinzugefügt.

note: updated, go to: Freddie Roulette Gespräch durchgeführt von TOM MAZZOLINI. Translation and Photos by Fritz Svacina
Worldcopyright © 1998-2007 BluesArtStudio, Blues Life, USA, AUSTRIA