von Fritz Svacina, erschienen im BLUES LIFE - Ausgabe 10 - 3. Jg. 2/1980

BLUES LIFE Nr.10

Freddie Roulette ist wohl einer der zu unrecht unbekanntesten und gleichzeitig einzigartigsten Instrumentalisten der heutigen Blues-Scene. Er verwendet ein Instrument, welches man nur sehr selten in der Bluesmusik antrifft. Die Lap-Steel Gitarre. Ein Instrument, welches man langläufig mit Country & Western und Hawaiian Music assoziiert. Man kann Freddie Roulette als Master der Lap-Steel Gitarre in Blues, Jazz, C&W und populärer melodischer Musik bezeichnen, ohne dabei zu übertreiben.
Geboren wurde Freddie Roulette am 3. Mai1939 in Evanston, Illinois und bereits in seiner frühesten Jugend umgab er sich mit Musik. Damals allerdings waren es Country & Western. Hawaiian, Pop Songs und Balladen, die ihn faszinierten. Seine Gitarrenkunst bestand zu dieser Zeit aus Basislektionen und er fühlte sich zu mehr berufen, als nur das 3-Harmonien-Schema des Blues zu praktizieren.

In den 50er Jahren war er ein genauer Lauscher der Blueskünste eines Albert Collins, Albert King, B.B.King und auch einigen Arrangements von Ray Charles.
Er tendierte zum virtuosen City Blues, welchen er hauptsächlich vom Radio her kannte.

Es waren Musiker wie Muddy Waters, Howlin' Wolf, T.Bone Walker etc., die ihn besonders faszinierten durch ihre Arbeit an der elektrischen Gitarre.
Seine einflußreichste Begegnung war aber wohl das Zusammentreffen mit Earl Hooker, welchen er auch nur durch eine Radiostation her kannte. Die klaren, durchdringenden Töne der mit dem Slide am Finger gespielten E-Gitarre hatten es ihm angetan und nahmen ihn völlig gefangen.

Freddie Roulette, at Maria`s House, Mill Valley, 1990, Photo: Fritz Svacina


Ch. Musselwhite, P.Ford and Freddie
Foto: unknown, BAS archive


Es gab zwei Parallelen, die auf diese beiden außergewöhnlichen Künstler zutrafen:
die schönen, langgezogenen, aber auch stakkatoartigen, jazzbeeinflußten Töne und die Improvisationen, die sich über das normale Blues-Schema hinwegsetzten.
Über die erste Begegnung dieser beiden Musiker gibt es folgende kleine Geschichte,
welche im Guitar-Player zu lesen war:


"Ich traf diese alte Katze (gemeint ist Earl Hooker) an einer Straßenecke, wußte gar nicht, daß er es war und spielte so meine üblichen Sachen. Er kam danach zu mir und fragte: "Hey, was spielst Du da?" "Das ist eine Steel-Guitar". “Laß mich nochmal hören!" Danach sagte er zu mir: "Ich bin Earl Hooker, spiele Slide-Gitarre." Ich erwiderte: "Was, DU bist Earl Hooker, - oh, Mann!" Earl griff danach sofort zu seiner E-Gitarre und wir jammten die ganze Nacht durch.

Earl Hooker & Freddie Roulette at the 1968, "Club Alex", Chicago,
Foto: ctsy Willy Leiser, BSA archive
Freddie Roulette spielte in den Jahren 1963 - 66 in der Band von Earl Hooker, in dieser Zeit wurden herrliche Tondokumente aufgezeichnet und er erweiterte sein Können grandios.

Später spielte er unter anderem mit Harvey Mandel, Luther Allison, John Lee Hooker und in der Band von Charlie Musselwhite, mit dem er auch nach Californien ging.
Heute kann man Freddie Roulette mit seiner "thirty years old National New Yorker 8-string Lap-Steelguitar" mit weichen Pickup's, die er ohne “fingerpicks" spielt, bei jedem größeren Festival antreffen. Er ist bis dato der großartigste und sensibelste Blues-Lap-Steel-Guitarplayer und es wird ihm sicherlich niemand so schnell diesen Rang streitig machen können.
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Freddie Roulette, Foto: Jerry Haussler, ©1979
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